Regensburg (cn).
„Eine Schule, die dir lernt, Rücksicht
auf andre zu nehmen, sich für Menschen stark zu machen und ihnen Lichtblicke
geben, ist genau das, was wir brauchen hier in unserer Stadt“. Felix
Merl, Schüler der Klasse 3a, brachte es in seinem Rap auf
den Punkt. Zum 40-jährigen Jubiläum der Kirchlichen Fachakademie für Sozialpädagogik
(FakS) schrieb er diesen Song. Beim Festakt im
Regensburger Antoniussaal bekamen ihn die über 300 Gäste zu hören. Viele aus
Politik, Gesellschaft und Kirche sind gekommen, um zusammen mit den aktuell 250
Schülern das runde Jubiläum zu feiern. Diözesan-Caritasdirektor Dr. Roland
Batz
zelebrierte zuvor eine feierliche Messe in
Antoniuskirche. Professor Dr. Joachim Bauer von der Universität Freiburg im
Breisgau hielt die Festrede. Der Neurobiologe, Molekularbiologe, Arzt und
Psychotherapeut brachte die neuesten Erkenntnisse der Hirnforschung in
Zusammenhang mit den Herausforderungen des Erzieherberufs. Mit einem bunten
Mitmach-Nachmittag an der Fachakademie endete der Jubiläumstag.
Die Studierenden feierten selbstverständlich das Jubiläum ihrer Fachakademie mit (v.l.n.r.): Andreas Lautenschlager, Katrin Nietsch, Elisabeth Lingl, Katrin Wiedenhofer, Anja Falkner und Tobias Raith.
Das Berufsbild der Erzieherin hat
sich in den vergangenen fünf Jahrzehnten stark gewandelt, zusammen mit den
Einrichtungen: von den Kinderbewahranstalten in den 50er und 60er Jahren hin zu
hochprofessionellen Bildungs- und Erziehungseinrichtungen. Veränderte
Familiensituationen, der sich ändernde
sozio-kulturelle
Hintergrund und gesellschaftliche Entwicklungen haben zwangsläufig Auswirkungen
auf das Arbeitsfeld eines Erziehers oder einer Erzieherin. Eines bleibt: „Im
Wesentlichen muss es darum gehen, Verantwortung für sich und die uns
anvertrauten Menschen zu übernehmen“, sagte Schulleiter Johannes Lorenz. Das
bedeute, seine Talente richtig einzusetzen, Wissenschaft und Technik dafür zu
nutzen und die Umwelt dabei zu schützen. Um die gegenwärtigen Herausforderungen
in der Erzieherarbeit zu meistern, bedürfe es ein hohes Maß an Professionalität,
kreatives Denken und die Fähigkeit, sich auf die Menschen individuell
einzulassen. „Der Erzieherberuf ist deshalb einer der schönsten und
anspruchsvollsten überhaupt“, so Lorenz. Nicht jeder sei von seiner Persönlichkeit
her für diese große Aufgabe geeignet. Anders lautende Aussagen von manchen
Politikern seien ein Schlag ins Gesicht all derer, die fünf Jahre lang diese
Ausbildung
machen. Kaum ein anderer Job sei so
vielseitig. Erzieher sind Pädagogen, Psychologen, Organisatoren und
Hauswirtschafter zugleich. Dazu müssen sie teilweise auch noch
Verwaltungsaufgaben übernehmen. Die Verantwortung sei groß. Denn gerade in den
ersten Jahren des Kindes würde vieles für später grundgelegt. In den letzten 40
Jahren konnte die Caritas-Fachakademie über 2.400 Erzieherinnen und Erzieher
ausbilden.
Wegbegleiter für Kinder und Eltern
sein
Der Männeranteil im
Erzieherberuf ist traditionell sehr klein. Nur drei Prozent sind männlich.
Tobias
Raith
gehört zu dieser „Minderheit“. Er ist 25
Jahre alt und hat diesen männer-untypischen Beruf bewusst gewählt. Derzeit ist
er im Berufspraktikum, im fünften Jahr der Ausbildung, in einem Regensburger
Kinderhort. Sein bisheriger Weg ist ungewöhnlich und beeindruckend zugleich.
Nach einer Ausbildung zum Bauzeichner machte er an der Berufsfachschule für
Musik in Sulzbach-Rosenberg die Ausbildung zum staatlich geprüften
Ensembleleiter. Der Gedanke an die Ausbildung zum Erzieher reifte während
seines Zivildienstes am
Pater-Rupert-Mayr-Zentrum. In
der Einrichtung der Katholischen Jugendfürsorge werden Kinder, Jugendliche und
junge Erwachsenen mit einer Behinderung gefördert. Seinen Entschluss hat Tobias
bis heute nicht bereut: „Die Ausbildung hier an der
FakS
hat mich in meiner eigenen Persönlichkeit weitergebracht. Das ist der Wert
dieser Schule“, sagt er. Der Erzieherberuf ist für ihn Berufung. Er möchte den
Kindern später ein Wegbegleiter sein, sie individuell an die Hand nehmen und in
ihrer Entwicklung fördern. „Jedes Kind ist anders, da hilft eine aufgesetzte Pädagogik
nicht weiter“, ist er überzeugt. Wenn es ihm gelinge, den Kindern klar zu
machen, dass das Leben lebenswert ist, dann habe er viel erreicht.
Anerkennung motiviert positiv
Klare Grenzen
aufzeigen, Toleranz üben und positiv motivieren, das sind nach Ansicht des
Freiburger Neurobiologen Professor Dr. Joachim Bauer unverzichtbare Prozesse in
der Erziehungstätigkeit. Beachtung, Zuwendung, Anerkennung und Sympathie
bewirken in den Kindern neue Motivation und Begeisterung. Fehlt diese
Zuwendung, suchten sich Kinder die Bestätigung woanders. Manche finden ihre
Bestätigung erst im Internet, bei den Freunden in
Facebook
beispielsweise. Die Hirnforschung bestätige, was in vielen guten Einrichtungen
selbstverständlich ist. „Unsere Kinder möchten nicht verwöhnt, sondern
wahrgenommen werden“, sagte Professor Bauer. Bewegung und Musik seien enorm
wichtige Elemente in der Erziehung. Mit Blick auf Bundestagsabgeordneten Peter
Aumer
und Bürgermeister Gerhard Weber sagte der Professor: „Wir
brauchen mehr Sport in der Schule!“ Die Hirnforschung belege weiter, dass zum
Beispiel regelmäßiges gemeinsames Essen die Kinder beim Lernen erfolgreicher
mache. Mit Kindern sprechen, mit ihnen Rituale einüben, sie musikalisch und
sportlich zu fordern, sei unverzichtbar für eine gute Erziehungsarbeit. In der
Ausbildung an der Caritas-Fachakademie wird auf diese Erkenntnisse wert gelegt.
Die Studierenden müssen in Praktika verschiedene Einrichtungen durchlaufen.
Ehrungen von zwei Lehrkräften
Für 25-jährigen Dienst als Lehrkraft an der Fachakademie für Sozialpädagogik Regensburg geehrt: Sylvia Heinze und Johannes Payer mit Caritasdirektor Roland Batz (links) und Schulleiter Johannes Lorenz (rechts).
Die Qualität an
einer Fachakademie steht und fällt mit den dort tätigen Dozenten. Diözesan-Caritasdirektor
Roland
Batz
ehrte zwei verdiente Dozenten mit der
Medaille der Heiligen Elisabeth. Sylvia Heinze ist seit 1987 als Diplom-Sozialpädagogin
an der Fachakademie beschäftigt. Sie unterrichtet Praxis- und Methodenlehre mit
Gesprächsführung sowie die Übungsfächer Krippenpädagogik und Erlebnispädagogik.
Außerdem führt sie die Praktikumsbetreuung der Studierenden durch. Johannes
Payer, ebenfalls seit 25 Jahren an der Schule tätig, ist Musiklehrer. Er
unterrichtet die Übungsfächer „Gitarre und Rhythmik“ und „Orff-Instrumentarium“,
dazu Praxis- und Methodenlehre. Zu seinen Aufgaben gehört auch die
Praxisbetreuung im Sozialpädagogischen Seminar. „Weit über das zu erwartende Maß
sind sie an der Gesamtaufgabe der Ausbildung an der Fachakademie interessiert
und beteiligt. Mit ihren Aufgaben tragen sie einen wesentlichen Teil zur Persönlichkeitsbildung
junger Erzieherinnen und Erzieher bei. Dafür danke ich Ihnen“, sagte der
Caritasdirektor.
Zusatz-Information:
Caritas-Fachakademie für Sozialpädagogik
Die kirchliche Fachakademie für
Sozialpädagogik (FakS) bildet Studierende zu
staatlich anerkannten Erziehern und Erzieherinnen aus. Diese arbeiten später in
Kinderkrippen, Kindergärten, Horten und Heimen, Einrichtungen der Kinder- und
Jugendpflege und in heilpädagogischen Einrichtungen. Träger der Schule ist der
Diözesan-Caritasverband Regensburg und sein Fachverband IN VIA Mädchen- und
Frauensozialarbeit. Die zweigliedrige Ausbildung dauert insgesamt fünf Jahre.
Zugangsvoraussetzung ist die mittlere Reife. Dem zweijährigen Sozialpädagogischen
Seminar schließt sich die dreijährige Ausbildung an der
FakS
an: zwei Jahre Vollzeitunterricht, dann ein einjähriges Berufspraktikum.
Bis 2013 soll jedes Kind Anspruch
auf einen Kindergartenplatz haben. Demzufolge wird in den nächsten Jahren nach
Schätzungen bundesweit ein zusätzlicher Bedarf von 40.000 Erziehern erwartet. Weitere
Infos zur Ausbildung:
www.faks-regensburg.de