Konkrete Hilfe

Frischgebackene Eltern

Fünf Tipps, wenn der Nachwuchs da ist

Junge FrauFranziska ist 35, hat bereits einen Sohn im Teenageralter und nun ein einjähriges Baby.DCV

Tipp 1: Nimm dir Zeit für dich selbst

Die ersten Monate als Familie sind anspruchsvoll. Gerade Mütter glauben oft, dass man mit kleinen Kindern keine Zeit mehr für sich selbst oder gar den Partner hat. Denn in den ersten Lebensmonaten des Kindes entsteht die einzigartige Bindung zur Mutter und/oder zum Vater. Kinder brauchen von Anfang an die Zuwendung ihrer erwachsenen Bezugspersonen. Das ist natürlich wichtig und dafür braucht es viel Zeit, Fürsorge und Körperkontakt! 

Aber mach dir klar: Du kannst nicht alles selbst schaffen. Wenn du dich nur noch nach Ruhe sehnst, kaum mehr die Augen offen halten kannst, sollten die Alarmglocken läuten. Dann hilft nur: Pause machen, Kraft schöpfen, Abstand gewinnen ohne schlechtes Gewissen. Denn wer nichts hat, der kann auch nichts geben. Das Kind hat auch nichts davon, wenn in dem ganzen Stress die Paarbeziehung zu Bruch geht. Besser ist es, sich als Paar ab und zu gemeinsam eine Auszeit vom Kind zu nehmen und zusammen etwas nur für die Zweisamkeit zu tun.

Wie das gehen soll? Mit Tipp 2 und 3 oder mit Unterstützungsmöglichkeiten von außen. Es gibt etwa den Rechtsanspruch auf eine Haushaltshilfe, wenn ein Arzt oder eine Ärztin eine Versorgungsverordnung ausstellt. Wenn du also krank, überfordert und an der Grenze deiner Kräfte bist, nutze diese Möglichkeit. Viele Krankenkassen wimmeln da zunächst ab oder verlangen von den Familien, selbst jemanden zu suchen. Das ist aber falsch. Bei Überforderung ist es die Pflicht der Krankenkasse, dir eine Haushaltshilfe zu besorgen. Oder du wendest dich an eine Beratungsstelle vor Ort, die dir dabei helfen kann, eine Haushaltshilfe oder Familienpflegerin zu finden (nutze dazu die Suchbox auf dieser Seite). 

Tipp 2: Loslassen lohnt sich

Franziska erzählt ganz offen, wie schwer es ihr anfangs fiel, das Kind auch mal für einige Zeit dem Vater zu überlassen. Das fehlende Vertrauen in die Väter kennen auch viele Familienberater(innen) aus ihren Gesprächen. Umso mehr betont Franziska, wie wichtig sie es heute findet, dass Mütter loslassen lernen. Dass sie "ihr Kind" dem Vater anvertrauen. Die dadurch gewonnene freie Zeit gibt Kraft und ist unersetzlich.

Tipp 3: Eine dritte Bezugsperson einbeziehen

Frau nachts am FensterEine von vielen schlaflosen Nächten Franziskas...DCV

Wenn Eltern Zeit für sich selbst brauchen, alleine oder als Paar, dann wird eine dritte Person  benötigt. Denn alleine kann das Baby oder Kleinkind nicht bleiben. Das kann jemand aus dem Freundeskreis, der Verwandtschaft oder der Nachbarschaft sein, zu dem das Kind eine feste Bindung aufbaut. Beispielsweise eine "Wahl-Oma". Wer so eine Bezugsperson rechtzeitig findet und einbezieht, der hat nach Franziskas Meinung einen Goldschatz gefunden.

Hast du aber niemanden, dem du das Kind anvertrauen kannst, dann frag bei der nächsten Familienberatungsstelle nach ehrenamtlichen Familienpaten. Oder überlege dir, eine Mutter-Kind-Kur zu beantragen. Wenn du weitere Kinder hast, die nicht mit in die Kur fahren können, müssen Lösungen gefunden werden. Wende dich an eine Beratungsstelle und die Beraterin sucht eine Lösung mit dir.

Tipp 4: Wenn das Baby viel weint, hol dir Rat und Hilfe

Es ist ganz normal, dass Eltern an ihre Grenzen kommen, wenn sie ein Baby versorgen. Ebenso kommt es vor, dass Säuglinge abweisend reagieren, weil ihnen alles zu viel ist und sie mehr Ruhe brauchen. Achte deshalb gut auf dich und deine Kräfte und auf die Zeichen, die das Kind sendet. Hol dir Hilfe und Unterstützung von einem Arzt oder einer Ärztin oder von einer Beratungsstelle (über die Suchbox mit den Caritas-Adressen), wenn du dauerhaft unsicher, gestresst, überfordert oder niedergeschlagen bist.

Aufs Schreien richtig reagieren

Um ihre Bedürfnisse mitzuteilen, machen Babys Grimassen und nutzen Körpersprache, im Notfall beginnen sie zu schreien. Dafür gibt es immer einen Grund. Babys schreien nie, um ihre Eltern zu etwas zu zwingen oder weil sie "böse" sind. Sie schreien in den ersten Monaten oft, weil sie

  • hungrig oder müde sind,
  • trotz Müdigkeit nicht schlafen können,
  • eine frische Windel brauchen oder wund sind,
  • Zuwendung und Körperkontakt brauchen,
  • sich langweilen oder überfordert sind, 
  • sich körperlich unwohl fühlen, beispielsweise Bauchweh haben.

Zur Orientierung: Bis zur sechsten Lebenswoche schreien Kinder im Schnitt 1,5 Stunden, danach sogar 2,5 Stunden am Tag. Ab der 16. Lebenswoche reduziert sich das Schreien auf etwa eine Stunde.

Beruhigungstricks anwenden

Manchmal ist es schwer herauszufinden, warum ein Baby weiter schreit, obwohl scheinbar für alles gesorgt ist. Vier Tipps für solche Situationen:

  • Hilfe holen: Vielleicht kann die Nachbarin das Baby mal zehn Minuten auf den Arm nehmen?
  • Spaziergang machen: Frische Luft und eine ruhige, gleichmäßige Bewegung wirken oft Wunder.
  • Zeige deinem Baby: Ich bin da, ich sehe, du hast es gerade schwer. Ich stehe dir bei - auch wenn ich dir jetzt nicht konkret helfen kann. Auch wenn das Baby weiter schreit wird es fühlen, dass es nicht allein ist in seinem Leid.
  • Wenn du körperliche Probleme vermutest: Geh dem Kind zum Arzt.

Hilfe durch die Schreiambulanz

Franziska hat sehr gute Erfahrungen mit ihrem Besuch bei einer Schreiambulanz gemacht. Diese gibt es mittlerweile in vielen Städten angeschlossen an Kinderkliniken, Erziehungsberatungsstellen oder bei niedergelassenen Psychotherapeut(inn)en. Du bekommst dort Tipps im Umgang mit Phasen, in denen dein Baby viel, lange und auch übersteigert schreit und weint. Wichtig ist, das eigene Selbstvertrauen und die eigene Einfühlungskraft nicht zu verlieren. Und das können Fachleute unterstützen.

Tipp 5: Vertrau auf deine eigene Intuition

Zwei Frauen im GesprächJuliane ist Familienberaterin bei der Caritas und kennt sich gut mit finanziellen Hilfen, Unterstützungsmöglichkeiten von außen und Erziehungsfragen aus. DCV

"Es gibt unendlich viele Bücher zum Thema Elternschaft. Ich habe sehr viele gelesen. Viele waren gut, manche waren hilfreich, und meine Liste an Dingen, die ich als Mutter tun wollte, war endlos lang", erzählt Franziska. "Das war irgendwann zu viel!"

Versuche nicht, alles perfekt hinzukriegen, das ist nicht notwendig und überfordert alle Beteiligten. Lerne, dir selbst zu vertrauen. Wenn du das wegen Stress und Schlafmangel gerade nicht schaffst: Tipp 4, hol dir Rat und Hilfe! Egal ob bei einer Beratungsstelle vor Ort (zu finden mit der Suchbox), anonym bei der Online-Beratung der Caritas, bei Ärzt(inn)en oder Therapeut(inn)en, Schreiambulanzen oder Freund(inn)en und Familienangehörigen.

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