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Notfallseelsorge in Chemnitz: Wenn eine Todesnachricht alles verändert

Der Moment kommt unerwartet und lässt sich nicht planen: Ein Mensch stirbt zuhause, bei einem Unfall oder durch Suizid. Für die Angehörigen entsteht eine Ausnahmesituation - geprägt von Schock, Trauer und vielen offenen Fragen. In solchen Momenten ist die Notfallseelsorge und Krisenintervention zur Stelle. "Die Rettungskräfte alarmieren uns und dann geht es los", erzählt Doreen Moschke, die den Dienst des Caritasverbandes, der für Chemnitz zuständig ist, leitet. Seit 30 Jahren gibt es dieses Angebot.

Rund um die Uhr ist der Dienst besetzt. Um die 140 Einsätze im Jahr, also zehn bis 15 im Monat, koordiniert Doreen Moschke. Sie kann dabei auf ein Netz aus 18 Ehrenamtlichen zurückgreifen, die zu jeder Tages- und Nachtzeit ausrücken. Sie trösten, ermutigen und unterstützen Angehörige in ihren schwersten Stunden. "Die Ehrenamtlichen müssen sich immer wieder bewusst machen: Ich bin mitfühlend, aber vor Ort ist nicht meine Familie, nicht meine Trauer", erklärt Doreen Moschke. Diese innere Distanz helfe dabei, die oftmals belastenden Einsätze selbst zu verarbeiten.

Belastend kann es auch sein, wenn man sein Ziel nicht erreicht. Doreen Moschke hat in den vergangenen Jahren bei der Notfallseelsorge eine Entwicklung beobachtet, die ihr Sorgen bereitet: Immer mehr Personen sind in extremen Situationen allein. Viele ältere Menschen hätten keinen Kontakt mehr zu ihren Kindern oder anderen Verwandten. "Das Ziel unserer Einsätze ist es aber, soziale Netze zu aktivieren. Wenn wir gehen und niemand ist bei dem Betroffenen, ist das nicht gut", sagt Doreen Moschke. 

Zu den jüngsten Einsätzen, zu denen das Team gerufen wurde, gehört der Brand eines Wohnhauses auf dem Sonnenberg im Juli. "Wir waren mit zwei Leuten vor Ort und haben Bewohner betreut, die noch im Schlafanzug aus dem Haus raus sind", erinnert sich die Koordinatorin. Schnell wurde auch ein Betroffenen-Informationszentrum aufgebaut. Notfallseelsorge und Krisenintervention arbeiten dabei eng mit Feuerwehr und Polizei zusammen.

Seit 2024 gehört der Dienst des Caritasverbandes auch zum Katastrophenschutz des Freistaates. Bei Hochwasser, Zug- und Busunfällen, größeren Bränden, Evakuierungen oder Chemieunfällen werden Ehrenamtliche gebraucht, die psychosoziale Notfallversorgung leisten können. Für diese anspruchsvolle Aufgabe werden regelmäßig neue Mitstreiter gesucht. Geeignet ist allerdings nicht jeder. "Entscheidend ist die Fähigkeit, den Menschen wertfrei und offen zu begegnen und sie so zu nehmen, wie sie sind", erklärt Doreen Moschke. Wer mindestens 23 Jahre alt ist, kann eine 110 Stunden umfassende Ausbildung absolvieren, zu der auch drei Hospitationseinsätze gehören. Das Team der Chemnitzer Notfallseelsorge ist vielfältig: Frauen und Männer unterschiedlichen Alters und aus verschiedenen Berufen engagieren sich neben ihrem normalen Arbeitsalltag - darunter Verwaltungsmitarbeiter, Handwerker oder Lehrer, aber auch Rentner bis Mitte 70.

Wer sich für eine ehrenamtliche Tätigkeit interessiert, kann sich per E-Mail an notfallseelsorge@caritas-chemnitz.de wenden. 

Bild und Text: Steffi Hofmann