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„Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ – Impulse am Helfertag

Am 25. Mai veranstaltete die Gemeindecaritas einen bunten Nachmittag für die Ehrenamtlichen des Caritasverbands und der katholischen Kirchgemeinden. Dieser stand unter dem Motto "Jeder Mensch braucht ein Zuhause", dem Slogan der diesjährigen Caritas-Kampagne. Diese macht auf Wohnungsnot und Wohnungslosigkeit in Deutschland aufmerksam. Der Helfertag wurde somit auch genutzt, um den Ehrenamtlichen Informationen zu diesem Thema mit auf den Weg zu geben.

Das gemütliche Beisammensein mit Kaffee und Kuchen bot eine Möglichkeit des Austauschs und des gegenseitigen Kennenlernens. Die rund 30 anwesenden Ehrenamtlichen konnten sich einmal zurücklehnen und sich von einem kulturellen Rahmenprogramm verwöhnen lassen. Für eine musikalische Untermalung sorgte Jasmin Riedel, die am Flügel heitere Frühlingsstücke spielte.

"Wo sich dein Herz wohlfühlt, ist dein Zuhause"

Bei dem Wort "Zuhause" denken viele an die Familie, ihre eigene Wohnung oder ihr Haus. Positive Gefühle werden damit assoziiert. Doch was ist, wenn man keinen Rückzugsort hat, kein Zuhause?

Anhand drei kurzer Rollenspiele stellten Veronika Förster und Brigitte Brinkel anschaulich dar, was es bedeutet, in Deutschland wohnungs- oder obdachlos zu sein. Auch Gründe für das Entstehen oder Fortbestehen einer solchen Situation wurden gezeigt. So lebt beispielsweise ein älterer Mann seit längerer Zeit auf der Straße. Er fühlt sich sehr einsam und ist sozial völlig isoliert. Sein einziger Freund ist sein Hund, der ihn auf Schritt und Tritt begleitet. Theoretisch hätte er die Möglichkeit, in einer Notunterkunft unterzukommen. Doch in dieser sind keine Hunde erlaubt. Da sich der Mann nicht von seinem treuen Begleiter trennen will, entscheidet er sich gegen die Obdachlosenunterkunft und lebt weiterhin ohne ein Dach über dem Kopf.

Claudia Hoppe von der Caritas-Wohnungsnotfallhilfe hat tagtäglich mit Fällen wie diesen zu tun. Die Rollenspiele untermauerte sie mit Fakten und Zahlen. Im Gegensatz zu anderen deutschen Großstädten ist die Wohnsituation in Chemnitz nicht angespannt. Theoretisch ist genügend Wohnraum für alle vorhanden. Die Probleme liegen hier vielmehr in den bürokratischen Hürden. Auch Mietschulden stellen ein großes Hindernis dar.

In Deutschland gibt es schätzungsweise 250.000 Obdachlose und 1,2 Millionen Wohnungslose. Als "obdachlos" gilt, wer nachts tatsächlich kein Dach über dem Kopf hat. Wohnungslose hingegen haben zwar keine eigene Wohnung, finden jedoch Unterschlupf bei Verwandten, Freunden oder Bekannten. Auch Wohnwagen oder Gartenlauben sind beliebte Zufluchtsorte.

"Was bedeutet für mich Zuhause?"

Anschließend durften die Ehrenamtlichen selbst aktiv werden. In gemischten Gruppen wurden zu der Fragestellung "Was verbinde ich mit dem Wort Zuhause‘?" Begriffe gesammelt und auf Moderationskarten und Papierhäuschen geschrieben. Die Ergebnisse wurden danach von den Moderatorinnen der großen Gruppe präsentiert. Dabei kamen ganz unterschiedliche Ansätze und Definitionen zum Vorschein. Alle Teilnehmer waren sich jedoch einig, dass das Wort "Zuhause" für sie positiv besetzt ist.

Beeindruckend war die Aufführung der Theatertanzgruppe "unentwegt bewegt 55+" der Vereinseigenen Bühne e.V. unter der Leitung von Liane Günther und Monika Meyer. Sie zeigten mehrere Ausschnitte aus ihrem aktuellen Programm. Dabei beschäftigten sie sich unter anderem mit dem Thema Tod, näherten sich diesem jedoch auf ungewöhnliche Art und Weise an.

Zum Abschluss dankten Veronika Förster und Brigitte Brinkel allen Beteiligten. Die Ehrenamtlichen wurden mit einem kleinen Geschenk verabschiedet. Anschließend hatten sie die Möglichkeit, in der angrenzenden Propsteikirche einen Gottesdienst zu besuchen.