Erfahrungsbericht von Familie Suberski aus Thüringen

Wir besuchten Seminare, lasen Artikel, Zeitschriften und Bücher. Wir führten intensive Familiengespräche. Schließlich bewarben wir uns als Pflegeeltern. Hier wurden wir nochmals in einem Bewerberseminar geschult. Auf dem Jugendamt sollten wir dann zum ersten Mal die leibliche Mutter kennenlernen. Viele Gedanken schossen uns durch den Kopf. Wie wird sie sein? Wie fühlt sich eine Mutter, die jetzt ihr Kind weggeben muss? Wird sie uns als Pflegeeltern von ihrer Tochter akzeptieren? Wir begrüßten sie freundlich und wechselten ein paar Worte mit ihr. Während des Gesprächs mit dem Sozialarbeiter stand sie auf und setzte mir (Pflegemutter) ihre Tochter auf den Schoß. Sie hatte Tränen in den Augen und bat uns, gut auf die Kleine aufzupassen. Viel später einmal sagte die leibliche Mutter zu uns, dass wir die einzigen Pflegeeltern waren, die ihr zur Begrüßung die Hand gaben und sie beim Gespräch anschauten. Das wäre für sie sehr wichtig gewesen. Sie hätte damals ein gutes Gefühl gehabt, ihre Kleine bei uns zu lassen. Heute besuchen wir die leiblichen Eltern einmal im Monat. Wir gehen oft auf einen besonderen Abenteuerspielplatz am Wohnort der leiblichen Eltern, oder wir essen einfach alle ein Eis. Unsere Pflegetochter genießt diese Zeit und darf den Ausflug natürlich mit planen. Die leiblichen Eltern freuen sich auf diesen Umgang und haben Gelegenheit, sich davon zu überzeugen, dass es ihrer Tochter gut geht und mitzuerleben, wie sie sich entwickelt. Oft tauschen wir private Fotos oder besprechen gemeinsam Geschenkideen für unsere Pflegetochter zum Geburtstag oder Weihnachten. Bei Hilfeplangesprächen beteuern die leiblichen Eltern immer, dass sie froh sind, dass ihre Tochter bei uns lebt und man einen guten Kontakt zueinander habe. "Die machen alles für unsere Kleine."  Sie haben den neuen Lebendmittelpunkt ihrer Tochter angenommen. Uns Pflegeeltern macht das natürlich stolz, auch wenn nicht immer alles so einfach abläuft. Gleichwohl ist uns, als annehmende Eltern, Achtung und Wertschätzung der leiblichen Familie gegenüber sehr wichtig. Nur so können wir für unsere Pflegetochter ein Stück positive Biographiearbeit leisten. Heute ist unsere Pflegetochter ein altersgerecht entwickeltes Kind trotz ihrer gesundheitlichen Vorgeschichte. Sie ist ein fröhliches Mädchen, das gern die KITA besucht, viel Geduld beim Basteln und Malen aufbringt und seit kurzem das Geigespielen erlernt. Bis heute haben wir noch keinen Tag bereut, ein Pflegekind in unsere Familie aufgenommen zu haben. Unsere Pflegetochter wächst gemeinsam mit unseren beiden Kindern wie ein eigenes Kind auf. Wir können uns ein Leben ohne sie gar nicht mehr vorstellen. Sollten wir einmal unsere Pflegetochter mit drei Worten beschreiben müssen, würden wir sagen "SONNE IM HERZEN".
Familie Suberski aus Thüringen