Erfahrungsbericht von C.L. (Adoptivmutter)

Mein Mann und ich, beide 47 Jahre alt, sind glückliche Eltern eines nunmehr 20- jährigen erwachsenen Sohnes. Dieses Glück haben wir einer Frau zu verdanken, die aufgrund einer schwierigen sozialen Lage ihr Neugeborenes nicht selbst behalten konnte und es deshalb zur Adoption freigab. Die Entscheidung, ein Kind zu gebären und es anschließend nicht zu behalten, ist ihr bestimmt sehr schwer gefallen. Und doch kann man das Verhalten dieser Frau nicht hoch genug einschätzen, denn dadurch lebt unser Sohn, wird von uns und vielen Menschen sehr geliebt und wir konnten eine erfüllte Familie werden…
So sind wir über Nacht Eltern geworden. Es begann eine wunderschöne, wenn auch anstrengende Zeit. Alles in unserem Leben änderte sich. Ich beendete kurzfristig meinen Beruf als Ärztin und blieb mit unserem süßen Baby 2 Jahre zu Hause. Auch unsere Eltern, die neuen, frischgebackenen "Großeltern" waren überglücklich. Unsere Familie und unsere Freunde, die schon Kinder hatten, halfen uns sehr. So lernte ich von einer guten Freundin, wie man ein Kind badet, wickelt, füttert und vieles mehr…
Wir haben durch unseren Sohn gelernt, die Welt wieder neu mit den Augen eines Kindes und später eines Heranwachsenden zu sehen. Außerdem lernten wir, uns in vielen Dingen in Geduld und Toleranz zu üben, da unser Sohn ein ganz anderer Menschentyp ist als wir. Man merkt, dass er andere Anlagen hat, als wir ihm geben würden, wenn wir seine leiblichen Eltern wären. Unser Sohn hat sehr viele gute Gaben, und ich bin mir sicher, dass er gut durchs Leben kommen wird.
Im Übrigen weiß unser Sohn, dass er adoptiert worden ist, seit er 4 Jahre alt ist. Wir haben ihm immer gesagt, dass er unser Wunschkind ist. Ich denke, er kann gut mit diesem Thema umgehen. Vielleicht hat er später auch einmal Lust, mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen und mehr über seine Herkunft zu erfahren."

C.L., Adoptivmutter